Gaia-X zum EU-Cloud- und KI-Entwicklungsgesetz: Ein Schritt zur digitalen Souveränität
LGR Reutlingen – 15 Juni 2026 | Die Europäische Kommission hat einen wegweisenden Gesetzentwurf vorgestellt, der darauf abzielt, die Cloud– und KI-Kapazitäten innerhalb der EU zu stärken. In diesem Kontext begrüßt die europäische Initiative Gaia-X den Vorschlag und sieht ihr eigenes Label-System als operatives Bindeglied zwischen den politischen Zielen der EU und der Marktpraxis.
Mit dem Cloud- und KI-Entwicklungsgesetz (CADA) möchte die Kommission den digitalen Handlungsspielraum Europas erheblich erweitern. Gaia-X, die Initiative für föderierte Dateninfrastrukturen, bewertet diesen Gesetzesentwurf als einen bedeutenden Schritt in Richtung mehr Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und strategischer Unabhängigkeit im Bereich Cloud und KI.
Inhalt des Gesetzentwurfs
Der Gesetzentwurf verfolgt mehrere strategische Ansätze: den Ausbau der europäischen Cloud- und KI-Infrastruktur, die Stärkung von Forschung und Innovation sowie die Einführung eines gemeinsamen Souveränitätsrahmens. Zu diesem Zweck sollen neue „Cloud and AI Leadership Initiatives“ ins Leben gerufen werden. Ein zentrales Ziel ist es, die Rechenzentrumskapazitäten der EU innerhalb der nächsten fünf bis sieben Jahre zu verdreifachen. Ergänzend dazu wird ein unionsweiter Rahmen für Cloud-Souveränität mit vier definierten Sicherheitsstufen geschaffen.
Die Hintergründe dieser Initiative sind alarmierend. Derzeit kontrollieren drei US-amerikanische Hyperscaler etwa 65 Prozent des globalen und europäischen Cloud-Marktes. Zudem stammen rund 70 Prozent aller seit 2017 entwickelten KI-Grundmodelle aus den USA. Diese Zahlen verdeutlichen die Notwendigkeit für die EU, ihre eigene Position im Bereich digitaler Infrastrukturen zu stärken und auszubauen.
Gaia-X als vertrauenswürdige Schicht
In diesem Prozess sieht sich Gaia-X nicht als politischen Akteur, sondern als eine praktische Vertrauens- und Interoperabilitätsschicht. Die Initiative arbeitet daran, transparente, kontrollierbare und kompatible digitale Ökosysteme zu schaffen, die den europäischen Werten entsprechen und die Abhängigkeit von Anbietern außerhalb der EU verringern sollen. In einem kürzlich veröffentlichten Positionspapier hat Gaia-X ihre Einschätzung des Gesetzes zu Vertrauen, Governance und Interoperabilität dargelegt.
„Europas digitale Souveränität wird nicht durch Isolation, sondern durch vertrauensvolle Interdependenz aufgebaut. Offenheit und Interoperabilität machen Souveränität skalierbar, und KI-Souveränität funktioniert nur, wenn Cloud, Daten und Vertrauen gemeinsam gestaltet werden.“ — Ulrich Ahle, CEO von Gaia-X
Das Gaia-X Trust Framework definiert die fundamentalen Regeln für die Teilnahme am Gaia-X-Ökosystem. Es basiert auf maschinenlesbaren Vertrauensinformationen, überprüfbaren Berechtigungsnachweisen und verknüpften Daten. Mit der Einführung der Version „Danube 2025“ wurde das Trust Framework 3.0 vorgestellt, das sowohl domänen- als auch geografische Erweiterungen umfasst und die Vertrauensföderation über verschiedene Ökosysteme hinweg ermöglicht.
Auf dem Gaia-X-Gipfel 2025 wurde das Label-System in seiner operativen Form vorgestellt. Dieses bietet Cloud-Diensten einen dreistufigen Rahmen zur Gewährleistung von Souveränität. In Zusammenarbeit mit CISPE wurde der erste Katalog gelabelter Cloud-Dienste veröffentlicht, wobei bereits erste Anbieter das höchste Level, Label-Level 3, erreicht haben.
Das Label-System von Gaia-X in der Praxis
- Grundlegende Transparenz- und Compliance-Anforderungen
- Erweiterte Anforderungen an Datenhoheit und Kontrollierbarkeit
- Höchste Souveränitätsstufe – erste Anbieter bereits zertifiziert
CISPE hat sich verpflichtet, bis zu 3.000 europäische Cloud-Infrastrukturdienste bereitzustellen, die den Gaia-X-Vertrauensrahmen und die Label-Spezifikationen erfüllen. Die Bewertung dieser Dienste erfolgt anhand definierter Kriterien in den Bereichen Vertrauen, Datenhoheit, Transparenz und Compliance. Das Programm ist bereits aktiv, und die Dienste werden kontinuierlich bewertet und gelistet.
Gaia-X unterstreicht, dass KI-Souveränität nicht nur von Rechenleistung und Infrastruktur abhängt. Ebenso entscheidend sind verlässlicher Datenzugriff, klar definierte Nutzungsregeln und eine interoperable Governance, die über die Grenzen von Organisationen hinweg funktioniert. Das Cloud- und KI-Entwicklungsgesetz wird daher in direktem Zusammenhang mit der Entwicklung vertrauenswürdiger Datenräume gesehen, in denen Cloud-Infrastruktur, Daten-Governance und KI-Entwicklung aufeinander abgestimmt sind.
Die langfristige Gestaltungsmacht Europas in diesem Bereich wird maßgeblich davon abhängen, inwieweit es gelingt, Ökosysteme zu etablieren, in denen Organisationen souverän zusammenarbeiten, innovieren und dabei die Kontrolle über ihre Daten und digitalen Ressourcen behalten können.






