Update 2026 zum Schweizer E-Food und Quick Commerce – Markt in der Phase der Konsolidierung

LGR Reutlingen – 20 Juni 2026 | Das Update 2026 zum Schweizer E-Food und Quick Commerce liefert einen umfassenden Überblick über die Entwicklungen des vergangenen Jahres und zeigt, welche Anbieter das Spielfeld verlassen haben, welche neu dazugekommen sind und wie etablierte Player ihre Strategien anpassen.
Update 2026 zum Schweizer E-Food und Quick Commerce – Überblick
Im Kern hat sich im Schweizer Markt für frische Lebensmittel im Netz in den letzten zwölf Monaten kaum grundlegend verändert. Der Anteil des Online‑Handels am Near‑Food‑Segment liegt weiterhin bei etwa drei Prozent, während das Gesamtvolumen für E‑Food‑Geschäfte mit Frischwaren 2025 laut Schätzungen bei rund CHF 775 Millionen lag. Diese Stabilität steht im Kontrast zu den jüngsten Anbieterwechseln, die das Feld zwar dynamisch, aber nicht revolutionär umgestalten.
Der wohl eindrucksvollste Wechsel war der Triumph von Coop.ch über Migros Online. Nachdem Migros im vergangenen Jahr rückläufige Umsätze verzeichnete, konnte Coop seine Logistik‑ und Sortimentsstrategie erfolgreich skalieren und die Marktanteile des Konkurrenten übernehmen. Der Wechsel wurde durch ein neues, zentralisiertes Verteilzentrum in Regensdorf unterstützt, das sowohl die Lieferkapazität als auch die Produktpalette erweitert.
Auf der anderen Seite haben sich mehrere Akteure aus dem Markt verabschiedet. Farmy, der Online‑Hofladen, wurde von Pico übernommen und im Rahmen eines Rampenverkaufs endgültig eingestellt – ein klares Zeichen, dass reine Bauernmarkt‑Modelle im Schweizer Kontext schwer zu skalieren sind. Smood.ch, der Lieferdienst der Migros‑Filiale Genf, stellte im April den Betrieb ein, weil das Geschäftsmodell nicht mehr tragfähig war. Die Übernahme von Smood durch Just Eat markiert zwar eine Fortführung, doch die ursprüngliche Marke verschwindet.
Neuere Player konzentrieren sich stärker auf Nischen und Nachhaltigkeit. Wiesner, ein Gastronomie‑Konzern, nutzt nun Uber Direct – die White‑Label‑Lösung von Uber Eats – für die Zustellung seiner Restaurant‑Ketten wie Negishi, Outback und Miss Miu. Bestellungen laufen über die jeweiligen Markenwebsites, wodurch die Kontrolle über das Kundenerlebnis erhalten bleibt.
Der dänische Food‑Rescue‑Marktplatz Too Good to Go hat in der Schweiz inzwischen nicht nur überschüssige Lebensmittel, sondern auch Blumen und Tiernahrung im Angebot. Durch die Zusammenarbeit mit Pick‑up‑Partnern wie Kuoni versucht das Unternehmen, die Abholfrequenz zu erhöhen und gleichzeitig das Bewusstsein für Food‑Waste zu schärfen.
Ein weiteres bemerkenswertes Startup ist Secend aus Zürich, das seit 2021 über einen Onlineshop Lebensmittel mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum verkauft. Das Konzept spricht preisbewusste Konsumenten an und reduziert gleichzeitig Verschwendung. Im gleichen Segment war Motatos kurzzeitig aktiv – das schwedische Unternehmen kam im Oktober 2023 in die Schweiz, stellte aber im darauffolgenden Frühjahr den Betrieb im gesamten DACH‑Raum ein, um sich auf profitableres Wachstum in Skandinavien zu konzentrieren.
Interessanterweise hat sich das Segment Quick Commerce – ultraschnelle Lieferungen innerhalb von Minuten – nach der experimentellen Hochphase während der Corona‑Krise nicht nachhaltig etabliert. In der Schweiz ist nur noch Alfies, ein aus Österreich stammender Anbieter, im Supermarkt‑Quick‑Commerce aktiv. Andere Initiativen, die auf Mikrolager und 10‑Minuten‑Zustellung setzten, haben entweder ihr Geschäftsmodell angepasst oder sind vom Markt verschwunden.
Die Wachstumsambitionen der großen Player bleiben jedoch stark. Galaxus hat angekündigt, bis 2026 einen Umsatz von CHF 420 Millionen im Food‑ und Near‑Food‑Bereich zu erzielen und bis 2030 die Milliardengrenze zu überschreiten. Seit 2023 wächst das Segment dort jährlich um rund 40 Prozent, angetrieben durch eine aggressive Produktdiversifizierung und eine starke Markenpräsenz.
Parallel dazu investiert Migros Online in den Ausbau seines Verteilzentrums in Regensdorf, um sowohl das Sortiment als auch die Lieferoptionen zu erweitern. Bemerkenswert ist das separate Angebot der Migros‑Genossenschaften Genf, Wallis und Tessin, die rund 10 000 Produkte über Just Eat vertreiben – ein Schritt, der scheinbar im Widerspruch zur gescheiterten My Migros-Plattform und zu Smood.ch steht, jedoch die Flexibilität des Unternehmens in der Multi‑Channel‑Strategie unterstreicht.
Die Analyse zeigt, dass der Schweizer E‑Food-Markt derzeit eher eine Phase der Konsolidierung durchläuft als einer disruptiven Neuerfindung. Die großen Einzelhändler setzen auf Skalierung und Logistikoptimierung, während spezialisierte Start‑ups Nischen bedienen, die vor allem auf Nachhaltigkeit und Food‑Rescue ausgerichtet sind. Die fehlende Dynamik im Quick‑Commerce‑Segment lässt darauf schließen, dass Verbraucher in der Schweiz nach wie vor Wert auf Zuverlässigkeit und Preis‑Leistungsverhältnis legen, anstatt ausschließlich die schnellste Lieferung zu erwarten.
Ein weiterer Trend, der nicht übersehen werden sollte, ist die zunehmende Integration von Technologiepartnern. Die Zusammenarbeit von Wiesner mit Uber Direct, die Nutzung von Kuoni als Pick‑up‑Partner für Too Good to Go und die wachsende Rolle von Cloud‑basierten Bestell‑ und Distributionsplattformen verdeutlichen, dass die digitale Infrastruktur zum entscheidenden Differenzierungsfaktor wird.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die größten Wachstums‑ und Innovationsimpulse derzeit von den etablierten Akteuren ausgehen, die ihre Liefernetze ausbauen und gleichzeitig neue Service‑Layer – etwa Food‑Rescue‑Marktplätze oder Plattformen für überschrittene Haltbarkeitsdaten – integrieren. Für Investoren und Marktbeobachter bedeutet dies, dass die nächsten Jahre weniger von radikalen Markteintritten, sondern mehr von strategischen Allianzen und schrittweisem Ausbau der Logistik geprägt sein werden.
Das Update 2026 zum Schweizer E-Food und Quick Commerce bestätigt damit, dass der Markt zwar stabil, aber nicht statisch ist: Während die Grundzahlen unverändert bleiben, schaffen es innovative Geschäftsmodelle, Nischen zu besetzen und gleichzeitig das Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu stärken. Wer den Markt künftig beobachten will, sollte vor allem die Entwicklungen bei Galaxus, Coop und den aufstrebenden Food‑Rescue‑Plattformen im Auge behalten.



