VW-Vorstand warnt: Verbrenner werden enden wie Pferdekutschen – ein Blick auf den Wandel der Mobilität
LGR Reutlingen – 15 Juni 2026 | In einem provokanten Interview mit dem britischen Magazin Auto Express hat der Vertriebschef von Volkswagen Pkw, Martin Sander, die Aussage getroffen, dass VW-Vorstand Verbrenner werden enden wie Pferdekutschen – ein Bild, das die bevorstehende Verdrängung von Verbrennungsmotoren durch Elektrofahrzeuge illustriert. Sander stellte die rhetorische Frage, wann Pferde verboten wurden, und betonte, dass die Entscheidung nicht von gesetzlichen Verboten, sondern von der praktischen Überlegenheit neuer Technologien getrieben werde.
VW-Vorstand Verbrenner werden enden wie Pferdekutschen – Historischer Vergleich und aktuelle Strategie
Der Vergleich mit der Ablösung von Pferdekutschen im 19. Jahrhundert soll verdeutlichen, dass technologische Übergänge oft erst dann vollständig akzeptiert werden, wenn die Vorteile im Alltag unverkennbar sind. Damals dominierten Pferde das Stadtbild, obwohl Automobile bereits existierten. Der Durchbruch kam, weil Autos schneller, flexibler und weniger wartungsintensiv waren. Sander sieht dieselbe Dynamik heute bei Elektroautos: Anfangs teurer, mit begrenzter Reichweite und unzureichender Ladeinfrastruktur, doch mit jeder Generation nähern sie sich der Alltagstauglichkeit, die Autos einst den Pferden ablöste.
Volkswagen befindet sich mitten in einer strategischen Neuorientierung. Während das Unternehmen in China bis 2030 ein Portfolio von rund 50 elektrifizierten Modellen aufbauen will, investiert es gleichzeitig massiv in Software, Künstliche Intelligenz und neue Elektronikarchitekturen. Die Partnerschaft mit dem chinesischen Hersteller Xpeng ist ein Beispiel dafür, wie VW versucht, Innovationsdruck zu begegnen und gleichzeitig eigene Kompetenzen im Bereich autonomes Fahren und digitale Services auszubauen.
Die Marktzahlen untermauern die These des VW‑Vorstands. In den ersten vier Monaten des Jahres 2026 lag der Anteil batterieelektrischer Neuzulassungen in Europa bereits bei über 20 %. Parallel dazu sinken die Betriebskosten von Elektrofahrzeugen im Vergleich zu Verbrennern, während die Reichweite kontinuierlich steigt und Schnellladenetze dichter werden. Diese Entwicklungen reduzieren die klassischen Einwände gegen Elektromobilität und stärken die Position von Herstellern, die frühzeitig in die neue Technologie investieren.
China spielt in diesem Transformationsprozess eine Schlüsselrolle. Der dortige Markt ist nicht nur das größte der Welt, sondern auch ein Innovationsmotor. Chinesische Hersteller wie BYD oder Nio setzen mit hohen Investitionen in Batterietechnologie und preisgünstige Modelle neue Standards, die den Druck auf etablierte europäische Hersteller erhöhen. VW reagiert, indem es lokale Produktionskapazitäten ausbaut und gleichzeitig seine globale Plattformstrategie an die Bedürfnisse des asiatischen Marktes anpasst.
Ein weiterer Treiber ist die digitale Aufrüstung der Fahrzeuge. Moderne Elektroautos besitzen komplexe Softwarearchitekturen, die über Over‑The‑Air‑Updates kontinuierlich verbessert werden können. Diese Fähigkeit, Funktionen nachträglich zu aktivieren oder zu optimieren, verschafft den Herstellern einen langfristigen Kundenvorteil, den klassische Verbrenner nicht bieten können. KI‑gestützte Assistenzsysteme, personalisierte Infotainment‑Lösungen und vernetzte Dienste werden zunehmend zum Kaufargument, das über den reinen Antriebsstrang hinausgeht.
Aus Sicht der Verbraucher ist die Entscheidung für ein Elektroauto inzwischen weniger eine Frage der politischen Vorgaben, sondern eher eine Frage der individuellen Nutzenabwägung. Während das geplante EU‑Verbrenner‑Aus im öffentlichen Diskurs präsent ist, betont Sander, dass Verbote nicht der eigentliche Motor des Wandels seien. Vielmehr solle die Branche durch bessere Produkte überzeugen – genau wie das Automobil die Pferdekutsche überholte, weil es im Alltag einfacher und kostengünstiger war.
Die regulatorische Landschaft bleibt dennoch ein wichtiger Rahmen. Die EU hat ambitionierte CO₂‑Reduktionsziele definiert und fördert den Ausbau von Ladeinfrastruktur sowie Subventionen für Elektrofahrzeuge. Diese Maßnahmen beschleunigen die Marktdurchdringung, ohne jedoch die Kernbotschaft von VW zu verändern: Der Markt wird sich von selbst umstellen, wenn die Technologie die Erwartungen erfüllt.
Für Investoren bedeutet der Wandel ein erhebliches Risiko‑ und Chancenprofil. Unternehmen, die frühzeitig in Batteriezellfertigung, Softwareplattformen und globale Produktionsnetzwerke investieren, können von steigenden Margen profitieren. Gleichzeitig stehen traditionelle Verbrenner‑Hersteller unter Druck, ihre Bestände zu reduzieren und gleichzeitig die Rentabilität ihrer verbleibenden Modelle zu sichern. Die Aussage VW-Vorstand Verbrenner werden enden wie Pferdekutschen wird daher nicht nur als Marketing‑Botschaft, sondern auch als strategische Leitlinie für Kapitalallokation wahrgenommen.
Abschließend lässt sich festhalten, dass die Analogie zu Pferdekutschen mehr als ein rhetorisches Mittel ist. Sie fasst den Kern einer tiefgreifenden industriellen Transformation zusammen: Technologie, die anfangs als Nischenprodukt erscheint, wird zur neuen Norm, sobald sie im Alltag überzeugend ist. VW positioniert sich mit dieser Perspektive klar als Vorreiter der Elektromobilität, während es gleichzeitig seine Verbrenner‑Produktpalette schrittweise auslaufen lässt. Der Markt wird entscheiden – doch die Zeichen deuten darauf hin, dass die Ära der Verbrennungsmotoren in den kommenden Jahren deutlich schrumpfen wird.






