13 Jahre später: Rick and Morty liefert weiterhin wilde Gründe, wieder einzuschalten
LGR Reutlingen – 16 Juni 2026 | 13 Jahre ist es her, dass eine verrückte Wissenschaftler-Figur namens Rick Sanchez und sein ängstlicher Enkel Morty Smith die Bildschirme eroberten. Was damals als provokante Parodie auf „Zurück in die Zukunft“ begann, hat sich längst zu einem kulturellen Phänomen entwickelt. Und während viele Serien nach so vielen Staffeln an Glanz verlieren, scheint „Rick and Morty“ genau das Gegenteil zu tun. 13 Years Later, Rick And Morty Gives More Wild Reasons To Tune In Again – und das liegt nicht zuletzt an einer bemerkenswerten kreativen Freiheit, die sich die Macher bewahrt haben.
Showrunner Dan Harmon, bekannt für seinen anarchischen Humor und seine meta-narrativen Eskapaden, gibt freimütig zu, dass die Serie bereits in ihrer zweiten Folge den sprichwörtlichen „Jump the Shark“-Moment hatte – und zwar absichtlich. Schon damals, als Mortys Hund Snowball mit einem Gerät zum intelligenten Wesen wurde und eine Geschichte entstand, die an „Inception“, „The Lawnmower Man“ und „Planet der Affen“ erinnerte, war klar: Hier wird nichts dem Zufall überlassen. „Wir haben keinen plotgetriebenen Ansatz verfolgt wie: ‘Oh, kann Rick diesmal vielleicht das schaffen?’ Sondern: ‘Er kann alles’“, erklärte Harmon kürzlich im Gespräch mit Inverse. „Während ‘Stargate Atlantis’ irgendwann keine Ideen mehr für ein atlantidisches Stargate hatte – ich habe es nie gesehen –, können wir buchstäblich alles machen. Das bringt zwar Herausforderungen mit sich, erlaubt uns aber, uns für eine Staffel hinzusetzen und zu sagen: ‘Lasst uns einfach so tun, als würden wir neu anfangen.’“
Diese Haltung prägt die neunte Staffel, die derzeit auf HBO Max gestreamt wird. Und sie ist der Grund, warum „Rick and Morty“ auch nach 13 Jahren noch frisch wirkt. Die Serie hat sich eine fast anthologische Struktur zu eigen gemacht: Rick und Morty können in einer Episode das Universum erschüttern und in der nächsten einfach in ihre Heimatdimension zurückkehren. „’Twilight Zone’ ist ein gutes Vorbild für unsere Show“, sagt Harmon. „Denn einige unserer besten Episoden sind großartige, in sich geschlossene Science-Fiction-Konzepte.“ Ein Paradebeispiel ist die zweite Episode der neuen Staffel mit dem Titel „Rick’s Days, Seven Nights“. Darin besucht Rick seinen Lieblingsurlaubsort – eine Kleinstadt, in der niemand weiß, wer er ist, er unter falschem Namen lebt und keine Erinnerung an sein anderes Leben hat. Kenner von Harmons Vorliebe für „Doctor Who“ könnten hier eine Anspielung auf die Episode „Human Nature“ vermuten, in der der Doktor in einen Menschen ohne Erinnerungen verwandelt wird. Doch die Inspiration war weitaus irdischer: ein Gespräch, das Harmon in seiner Mittagspause führte.
„Diese Episode entstand buchstäblich daraus, dass Harmon von der Bar in der Mittagspause zurückkam und einfach erholt wirkte“, erzählt Co-Showrunner Scott Marder gegenüber Inverse. „Wir fragten: ‘Was ist los, Mann?’ Er sagte: ‘Ich hatte gerade das herrlichste Mittagessen, ich habe mit einem Typen geredet, der nicht wusste, wer ich war, und er hielt mich für einen Landschaftsgärtner. Wir haben eine Stunde lang über Rasenflächen geplaudert. Es war so schön, für eine Stunde Urlaub von mir selbst zu machen und einfach dieses nette, einfache Landschaftsbau-Leben zu führen.’ Und dann begann Harmon, die gesamte Episode aus dem Stegreif zu entwickeln.“
Das ist nur Episode 2. In dieser Staffel gibt es Geschichten, die von Evolutionsbiologie, Kung-Fu-Filmen, Sommercamp-Filmen und sogar Fortsetzungen einiger beliebter früherer Episoden inspiriert sind. Ähnlich wie Marders andere Serie „It’s Always Sunny in Philadelphia“ trotzt „Rick and Morty“ weiterhin den Widrigkeiten und bleibt innovativ. Das macht die neunte Staffel so reizvoll: Jede Episode folgt ihren eigenen Regeln und erkundet ein neues Science-Fiction-Konzept mit einer völlig neuen Perspektive und Herangehensweise. Die Inspiration kann überall herkommen – von einer Diskussion an der Bar bis zum Blockbuster-Film und allem dazwischen.
13 Years Later, Rick And Morty Gives More Wild Reasons To Tune In Again – und das ist keine Übertreibung. Wer die Serie in den letzten Jahren aus den Augen verloren hat, findet in dieser Staffel den perfekten Wiedereinstieg. Denn „Rick and Morty“ hat sich nicht nur selbst neu erfunden, sondern auch die Art und Weise, wie wir über animierte Serien denken, nachhaltig geprägt. Die Kombination aus nihilistischem Humor, tiefgründigen philosophischen Fragen und einer schier grenzenlosen kreativen Palette ist einzigartig. Harmon und Marder zeigen, dass man auch nach neun Staffeln noch Überraschungen bieten kann – wenn man bereit ist, die Regeln immer wieder neu zu schreiben.
Die Serie bleibt ein Paradebeispiel dafür, wie man eine etablierte Marke immer wieder neu erfindet, ohne ihren Kern zu verlieren. In einer Zeit, in der Streaming-Dienste um Aufmerksamkeit kämpfen und viele Serien nach wenigen Staffeln ausbluten, ist „Rick and Morty“ ein Phänomen, das zeigt, dass Kreativität und Risikobereitschaft sich auszahlen. 13 Years Later, Rick And Morty Gives More Wild Reasons To Tune In Again – und das ist wohl das größte Kompliment, das man einer Serie nach so langer Zeit machen kann.





