SpaceX bricht Rekorde mit 75 Milliarden Dollar Mega-IPO

LGR Reutlingen – 15 Juni 2026 | In einem historischen Moment hat SpaceX, das Raketen-, Satelliten- und KI-Unternehmen von Elon Musk, beim Börsengang 75 Milliarden US-Dollar eingesammelt. Dies markiert den größten Börsengang in der Geschichte und übertrifft sämtliche bisherigen Rekorde. Die Nachfrage war immens, mit einer Überzeichnung des Angebots um das Vierfache. Insgesamt wurden 555,6 Millionen Aktien zu einem Preis von 135 Dollar pro Stück platziert, wie aus einer Einreichung bei der US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht.
Die Bewertung von rund 1,77 Billionen Dollar katapultiert SpaceX auf den siebten Platz der wertvollsten Unternehmen der Welt, direkt hinter dem Chip-Auftragsfertiger TSMC und vor dem Halbleiter-Riesen Broadcom. Schwergewichte wie JPMorgan und Eli Lilly wurden damit hinter sich gelassen, ebenso wie Musks eigener Elektroautobauer Tesla. Um die Dimension dieses Rekords zu verdeutlichen: Der saudische Ölkonzern Aramco hatte bei seinem Börsengang 2019 lediglich 25,6 Milliarden Dollar eingesammelt – SpaceX hat diesen Betrag nun nahezu verdreifacht.
Sollten die begleitenden Investmentbanken in den kommenden 30 Tagen die sogenannte Greenshoe-Option ziehen und zusätzliche Aktien verkaufen, könnte das Emissionsvolumen sogar auf 86 Milliarden Dollar und die Bewertung auf bis zu 1,78 Billionen Dollar steigen. Elon Musk könnte mit diesem Schritt dem Ziel näher kommen, der erste Billionär der Welt zu werden.
Trotz des Börsengangs behält Musk die Kontrolle über das Unternehmen, da er auch nach dem IPO 82 Prozent der Anteile hält. Auffällig ist zudem die Aufteilung der Aktien: 30 Prozent wurden für Privatanleger reserviert, ein für diese Größenordnung ungewöhnlich hoher Anteil.
SpaceX holt 75 Mrd Dollar in Mega-IPO – 20 Milliarden dienen Kreditrückzahlung
Ein erheblicher Teil der neu generierten Mittel ist jedoch bereits verplant. So müssen 20 Milliarden Dollar für die Rückzahlung eines Überbrückungskredits verwendet werden, den SpaceX im März aufgenommen hatte. Diese Finanzierungsrunde wurde notwendig, nachdem Musk seine hoch verschuldeten Unternehmen im Bereich KI und soziale Medien, einschließlich xAI und der Plattform X, in den Konzern integriert hatte. Der Rekord-IPO dient somit auch der Bereinigung dieser Altlasten.
Der verbleibende Teil des Kapitals soll in eine neue Wachstumsphase fließen. Musk betonte kürzlich bei einem Roadshow-Event, dass das Unternehmen Kapital benötige, um in diese massive Wachstumsphase zu starten. Der Börsengang ist im Grunde eine große Wette auf KI-Infrastruktur und Unternehmensanwendungen. SpaceX plant, die Mittel in Projekte von KI-Rechenzentren bis hin zu neuen Satellitenkonstellationen zu investieren.
Musk kündigte an, dass „KI-Rechenzentren im Weltraum“ das nächste große, kapitalintensive Vorhaben sein werden, um die Energieprobleme auf der Erde zu umgehen. Diese Woche stellte er bereits die Entwürfe eines ersten KI-Satelliten mit einer Spannweite von 70 Metern vor. Diese orbitalen Rechenzentren stehen im Zentrum seiner Vision eines adressierbaren Marktes von angeblich 28,5 Billionen Dollar und sind entscheidend für die Rechtfertigung der hohen Bewertung von SpaceX.
SpaceX verzeichnet zurzeit Verluste und wird mit dem 92-Fachen seines Jahresumsatzes von 19 Milliarden Dollar bewertet, was das höchste Multiple unter den zehn wertvollsten Unternehmen der Welt darstellt. Analysten äußern Bedenken hinsichtlich dieser Bewertung, da der Umsatz im Vergleich zu anderen Tech-Giganten deutlich hinterherhinkt und ein Großteil der Bewertung auf zukünftigen Versprechungen beruht, die erst noch eingelöst werden müssen.
Die Analysten von Goldman Sachs, dem Lead-Underwriter, prognostizieren jedoch eine Verhundertfachung der KI-Umsätze auf 322 Milliarden Dollar bis 2030, getrieben von Unternehmensanwendungen rund um die KI-Modelle des Unternehmens.
Operativ steht SpaceX auf einem soliden Fundament. Das 2002 gegründete Unternehmen dominiert den Markt für Raketenstarts und hat nach eigenen Angaben in den letzten drei Jahren mehr als 80 Prozent der weltweiten Nutzlast in die Erdumlaufbahn befördert. Der Großteil der Einnahmen stammt jedoch aktuell von seinem Satelliten-Internetdienst Starlink. Die großen Zukunftshoffnungen von SpaceX und damit ein erheblicher Teil der Bewertung beruhen auf dem KI-Geschäft rund um xAI.
Die Wachstumsstory birgt jedoch auch Risiken. Zu den größten Herausforderungen zählt die Konkurrenz, insbesondere durch Blue Origin, das Unternehmen von Amazon-Gründer Jeff Bezos, welches ebenfalls die Kommerzialisierung des Weltraums vorantreibt und sich lukrative staatliche Aufträge sichern will.
Die Aktie von SpaceX erhält auch Rückenwind von den Indexanbietern. Die Nasdaq hat „Fast Entry“-Regeln eingeführt, die es SpaceX ermöglichen, schon nach 15 Handelstagen in den Nasdaq 100 aufgenommen zu werden. FTSE Russell hat die Frist sogar auf fünf Handelstage verkürzt, was bedeutet, dass SpaceX nahezu sofort in den Russell 1000 und Russell 3000 aufgenommen wird. Für Indexfonds und ETFs bedeutet dies, dass sie die Aktie kaufen müssen, unabhängig von der Bewertung.
Allerdings bleibt der Zugang zum S&P 500 zunächst verwehrt, da S&P Dow Jones Indices eine beschleunigte Aufnahme von SpaceX ablehnt. Der Konzern erfüllt die Kriterien des weltweit wichtigsten Aktienindex nicht, da dieser unter anderem Profitabilität verlangt, die SpaceX bislang nicht nachweisen kann.
Der Börsengang von SpaceX erfolgt in einer turbulenten Woche an den US-Märkten, die von einer historischen Flut an Aktienverkäufen geprägt ist. Alphabet kündigte kürzlich eine Kapitalaufnahme von mehr als 85 Milliarden Dollar an, während die führenden KI-Labore Anthropic und OpenAI ebenfalls auf eigene Börsengänge zusteuern.



