Disney verliert Dolby Vision erneut: Diesmal trifft es elf EU-Länder gleichzeitig

LGR Reutlingen – 21 Juni 2026 | Disney verliert Dolby Vision erneut – diesmal trifft es elf EU-Länder gleichzeitig. Was im Februar noch als kurioser Einzelfall in Deutschland begann, hat sich nun zu einem unionsweiten Debakel ausgeweitet. Der Grund: ein eskalierender Patentstreit mit dem US-Lizenzgeber InterDigital, der vor dem Einheitlichen Patentgericht (UPC) in Mannheim eine einstweilige Verfügung gegen den Streaming-Riesen erwirkt hat. Die Folge: In mindestens elf EU-Staaten sind Dolby Vision und 3D-Inhalte auf Disney+ verschwunden – und das, obwohl Abonnenten weiterhin den vollen Preis zahlen.
Ein Urteil mit unionsweiter Wirkung
Anders als noch im November, als eine Münchner Kammer lediglich für Deutschland entschied, entfaltet das Mannheimer Urteil nun Wirkung in mehreren EU-Ländern gleichzeitig. Das UPC, erst 2023 gegründet, sollte genau solche Zersplitterungen vermeiden: Statt einzelner nationaler Verfahren reicht künftig ein Urteil, das quer durch die Union gilt. Genau das macht den Unterschied zur ersten Sperre im Februar aus. Damals verschwand Dolby Vision nur in Deutschland, kehrte im März aber wieder zurück. Jetzt ist Schluss damit – und dieses Mal trifft es nicht nur ein Land. Welche elf Länder konkret betroffen sind, hat InterDigital nicht offiziell benannt, nach bisherigen Berichten zählen aber unter anderem Deutschland, Frankreich, Italien, Finnland und Dänemark dazu.
Hintergrund ist der seit Monaten schwelende Patentstreit zwischen Disney und InterDigital. Wie InterDigital in einer aktuellen Pressemitteilung bekanntgab, hat die Mannheimer Lokalkammer des UPC entschieden, dass Disney ein Patent verletzt, das bestimmte Videokodierungstechniken im Umfeld von HEVC betrifft – und die Gültigkeit dieses Patents zugleich bestätigt. Berichten zufolge handelt es sich um das Patent EP 2465265. InterDigital hat parallel auch in Deutschland und Brasilien bereits Verfügungen wegen HDR-Technik, dem Überlagern mehrerer Videostreams sowie weiterer Kompressionsverfahren rund um HEVC und AVC erstritten. Amazon hat sich unterdessen vergangene Woche mit InterDigital geeinigt und darf Dolby Vision auf Prime Video deshalb weiter anbieten – ein Weg, den offenbar auch Disney in absehbarer Zeit gehen dürfte, möchte man die Bildqualität dauerhaft zurückbekommen.
Was Abonnenten jetzt konkret merken
Spürbar wird die Entscheidung bereits jetzt: Nutzerberichten zufolge sind Dolby Vision und 3D-Inhalte in den betroffenen Ländern verschwunden, während HDR10 und reguläres 4K weiterhin verfügbar bleiben. Am Abo-Preis ändert sich derweil nichts – wer Disney Premium bucht, zahlt weiterhin den vollen Betrag, bekommt aktuell aber nicht die volle Bildqualität geboten. Disney kann gegen das Urteil noch vor der Berufungsinstanz des UPC in Luxemburg vorgehen, ein Aufschub der Verfügung ist damit aber nicht automatisch verbunden – Dolby Vision dürfte also vorerst Geschichte bleiben.
Disney verliert Dolby Vision erneut – diesmal elf EU-Länder gleichzeitig. Das ist extrem ärgerlich, und zwar aus zwei Gründen. Einerseits hat Disney die Preise in den vergangenen Jahren konstant immer weiter angezogen, ohne jedoch den Mehrwert im Content zu rechtfertigen. Andererseits ist Disney speziell hier extrem intransparent in der Kommunikation. Zudem gilt es festzuhalten, dass Kunden proaktiv den Kundendienst kontaktieren müssen, um eine anteilige Rückerstattung zu beantragen. Für viele Abonnenten stellt sich nun die Frage, ob sich das Premium-Abo überhaupt noch lohnt – schließlich ist Dolby Vision eines der Hauptargumente für den Aufpreis.
Die Entwicklung zeigt einmal mehr, wie fragil die Lizenzlandschaft im Streaming-Bereich ist. Während sich Amazon offenbar schnell mit InterDigital einigen konnte, scheint Disney auf Konfrontationskurs zu gehen. Ob das strategisch klug ist, darf bezweifelt werden. Denn die Konkurrenz schläft nicht: Netflix setzt auf eigene HDR-Standards, und Apple TV+ bietet Dolby Vision ohne Zusatzkosten. Disney verliert Dolby Vision erneut – und diesmal gleich in elf EU-Ländern. Das dürfte nicht nur bei Abonnenten für Unmut sorgen, sondern auch das Vertrauen in die Marke nachhaltig schädigen.
Bleibt abzuwarten, wie schnell Disney eine Einigung mit InterDigital erzielen kann. Bis dahin müssen sich Nutzer in den betroffenen Ländern mit HDR10 begnügen – oder den Kundendienst kontaktieren. Eines ist klar: Disney verliert Dolby Vision erneut, und diesmal trifft es elf EU-Länder gleichzeitig. Das ist ein herber Rückschlag für den Streaming-Dienst, der gerade erst begonnen hatte, sich im hart umkämpften Markt zu positionieren.



