PRS SE Ed Sheeran Cosmic Splash: Baritone‑Power und Piezo‑Flexibilität im Test

LGR Reutlingen – 15 Juni 2026 | Im Rahmen des Tests PRS SE Ed Sheeran Cosmic Splash im Test Piezo-Baritone-Power für kreative Köpfe wirft die neue Signature‑Gitarre von PRS und Ed Sheeran ein Licht auf die wachsende Nachfrage nach Instrumenten, die sowohl akustische Tiefe als auch elektrische Vielseitigkeit vereinen. Während der britische Singer‑Songwriter vor allem für seine Loop‑Station‑Shows und Chart‑Hits bekannt ist, zeigt das Modell, dass selbst Pop‑Ikonen ein Faible für Baritone‑Konstruktionen und experimentelle Tonabnehmer‑Setups haben können.
Die Cosmic Splash ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen Paul Reed Smith Guitars und dem 30‑jährigen Musiker. Auf den ersten Blick fällt das auffällige „Cosmic Splash“-Finish ins Auge – ein satiniertes Lackbild, das von Sheerans eigenem Artwork inspiriert ist. Doch das eigentliche Alleinstellungsmerkmal liegt in der 27,7‑Zoll‑Mensur, die das Instrument eindeutig in die Baritone‑Klasse einordnet. In Kombination mit einem integrierten PRS/LR Baggs‑Piezo‑System und zwei PRS 85/15 „S“ Humbuckern entsteht ein Klangspektrum, das von warmen akustischen Overtones bis zu druckvollen High‑Gain‑Sounds reicht.
PRS SE Ed Sheeran Cosmic Splash im Test Piezo-Baritone-Power für kreative Köpfe
Der erste Eindruck beim Anspielen ist überraschend angenehm: Der Hollowbody‑Korpus aus Mahagoni‑Boden und Ahorn‑Decke sorgt für ein leichtes, ausgewogenes Spielgefühl, während das Satin‑Finish eine geschmeidige Haptik bietet. Die 27,7‑Zoll‑Mensur verlangt zunächst eine kurze Eingewöhnungsphase, besonders für Spieler, die an Standard‑24‑Zoll‑Gitarren gewöhnt sind. Nach ein bis zwei Stunden Spielzeit verschwindet das Gefühl jedoch, und die langen Saiten (Werkssatz .014–.068) fühlen sich dank der breiten Palisander‑Griffbrett‑Inlays und dem 10‑Zoll‑Radius fast wie eine natürliche Erweiterung des Arms an.
Ein besonderes Feature sind die zwei separaten Klinkenbuchsen: Eine liefert ein gemischtes Signal aus Humbucker‑ und Piezo‑Ausgang, die andere ausschließlich das magnetische Signal. Diese Aufteilung ermöglicht experimentelle Setups, bei denen der Piezo‑Ton über einen akustischen Verstärker und die Humbucker‑Klänge über einen klassischen E‑Gitarren‑Amp laufen. Für Studio‑Aufnahmen bedeutet das, dass ein Musiker mit nur einer Gitarre komplexe Stereo‑Rigs oder Dual‑Amp‑Chains realisieren kann, ohne zusätzliche Pedale oder Signalprozessoren.
Im Praxis‑Test zeigte sich die Klangvielfalt deutlich. Auf einem Vox AC30 wurden die Piezo‑Töne zu einer klaren, akustisch anmutenden Klangfarbe, die fast wie ein Baritone‑Acoustic wirkte. Die Humbucker‑Klänge hingegen lieferten ein sattes, mittig betontes Clean, das bei stärkerem Gain in einen druckvollen Metal‑Toneroll überging. Interessanterweise waren die Unterschiede zwischen Piezo‑ und Magnetik nicht immer dramatisch, was vor allem an der Verstärkerwahl lag. Kleinere Übungsverstärker verwischten die Nuancen, während hochwertige Clean‑Amps die beiden Systeme klar trennen.
Die Baritone‑Stimmung (Standard H‑E‑A‑D‑F#‑H) eröffnet neue voicing‑Möglichkeiten. Offene Akkorde klingen voller, Bass‑Linien erhalten ein natürliches Fundament, und das lange Griffbrett ermöglicht tiefere Riffs, die bei herkömmlichen 25‑Zoll‑Gitarren kaum realisierbar sind. Der Test zeigte, dass selbst bei Drop‑A‑Stimmung (H‑E‑A‑D‑F#‑E) die Klarheit erhalten bleibt – ein Hinweis darauf, dass die lange Mensur nicht zu einem matschigen Klang im Sub‑Bass führt.
Für Looper‑Fans bietet die Cosmic Splash ein besonders attraktives Paket. Durch das separate Piezo‑Signal können Bass‑ und Rhythmus‑Parts über den Piezo‑Ausgang aufgenommen werden, während Leads und Soli über die Humbucker laufen. In einer Live‑Demo wurden innerhalb von Minuten komplette Arrangements aus einer einzigen Gitarre aufgebaut, wobei das tiefe Baritone‑Fundament dem Mix eine unverwechselbare Tiefe verlieh.
Die Metal‑Seite der Gitarre wurde ebenfalls gründlich geprüft. Mit einem Mesa/Boogie Mark VII, einem Marshall JVM‑Topteil und einem EVH 5150 wurden tiefe Drop‑Tuning‑Riffs getestet. Die 27,7‑Zoll‑Mensur sorgte für klare Definition selbst bei sehr niedrigen Frequenzen, und die PRS‑85/15‑Humbucker behielten ihre Artikulation, ohne im Klang zu „verwaschen“. Selbst bei einer zusätzlichen Absenkung um zwei Ganztöne blieb das Instrument definiert – ein Hinweis darauf, dass das Design sowohl für sanfte Singer‑Songwriter‑Passagen als auch für aggressive Metal‑Riffs geeignet ist.
Preislich positioniert sich die Cosmic Splash mit einer UVP von 1.919 Euro im oberen SE‑Segment. Für ein SE‑Modell ist das ein ungewöhnlich hoher Preis, doch das Angebot umfasst ein signiertes 8 × 8 inches Print, ein PRS‑SE‑Gig‑Bag und den speziell abgestimmten Saitensatz. Die limitierte Auflage von 1.000 Stück verleiht dem Instrument zudem einen Sammlerwert, der für manche Käufer ein entscheidendes Argument sein kann.
Aus marktstrategischer Sicht zeigt PRS mit der Cosmic Splash, dass Signature‑Modelle nicht mehr nur kosmetische Abwandlungen sein müssen. Das Konzept verbindet Baritone‑Stimmung, Piezo‑Akustik und klassische Humbucker‑Power in einem einzigen Instrument, was besonders für Studio‑Musiker und Live‑Performer, die mehrere Klangfarben benötigen, attraktiv ist. In einer Zeit, in der digitale Modeling‑Amps und Multi‑Effects‑Units dominieren, bietet ein physisches Instrument mit integrierter Signaltrennung ein haptisches und kreatives Erlebnis, das Software‑Lösungen nur schwer nachahmen können.
Fazit: Die PRS SE Ed Sheeran Cosmic Splash ist kein Allrounder für jeden Stil, doch für Musiker, die Baritone‑Tiefe, akustische Nuancen und elektrische Vielseitigkeit in einem einzigen Werkzeug suchen, stellt sie ein durchdachtes, hochwertiges Paket dar. Die Kombination aus hochwertiger Holzauswahl, innovativem Piezo‑System und der Möglichkeit, verschiedene Signalwege zu nutzen, macht sie zu einem Instrument, das sowohl im Studio als auch auf der Bühne neue kreative Pfade eröffnet.


