Xpeng: Keine Gespräche über VW-Werk, aber klare Europa-Ambitionen
LGR Reutlingen – 15 Juni 2026 | Der chinesische Automobilhersteller Xpeng plant, seine Aktivitäten in Europa erheblich auszubauen. Vizepräsident Brian Gu gab in London bekannt, dass die Verkaufszahlen von rund 23.000 Neuwagen im letzten Jahr in diesem Jahr mindestens verdoppelt werden sollen. Die Expansion soll durch neue Modelle und die Erschließung weiterer Märkte unterstützt werden.
Aktuell fertigt Xpeng seine Fahrzeuge für den europäischen Markt in einer Partnerschaft mit dem österreichischen Auftragshersteller Magna in Graz. Gu bezeichnete die Zusammenarbeit als „sehr gut“ und ließ durchblicken, dass eine Ausweitung der Kooperation in Betracht gezogen wird. Gleichzeitig untersucht das Unternehmen weitere Standorte in Europa, sowohl für den Bau neuer Werke als auch für mögliche Übernahmen bestehender Produktionsstätten. Konkrete Pläne wurden jedoch nicht genannt.
Besonders im Fokus der Berichterstattung stand Gu’s Reaktion auf einen Artikel der „Financial Times“, der besagte, dass Xpeng in Verhandlungen über den Erwerb eines Volkswagen-Werks in Europa stehe. Gu distanzierte sich klar von dieser Aussage und erklärte, er wisse nicht, woher diese Information stamme. Auch VW-Chef Oliver Blume wies derartige Gespräche mit chinesischen Herstellern zurück.
Xpeng Kein VW-Werk im Blick aber mehr Europa-Ambitionen
Die Kooperation zwischen Volkswagen und Xpeng besteht bereits, da Volkswagen fünf Prozent an Xpeng hält und in China eine Plattform des Unternehmens für neue Modelle nutzt. Gu erwähnte, dass es zuletzt Austauschgespräche mit Blume und VW-China-Chef Ralf Brandstätter gab. Xpeng sei bereit, die Zusammenarbeit über China hinaus auszubauen und wolle seine Technologie in größerem Maßstab einsetzen. Bei der Suche nach Produktionskapazitäten will sich Xpeng jedoch nicht auf einen einzigen Partner festlegen, sondern alle Optionen prüfen. „Wenn jemand etwas zu zeigen oder zu verkaufen hat, kommt er auf uns zu“, so Gu.
Xpeng selbst sieht sich weniger als klassischer Automobilhersteller, sondern mehr als Technologieunternehmen. Neben Elektroautos arbeitet das 2014 gegründete Unternehmen auch an humanoiden Robotern und Flugtaxis. In Europa möchte Xpeng sich von anderen Anbietern abheben, indem man nicht nur auf Volumenwachstum setzt, sondern eine Premiummarke etablieren will.
Die Ambitionen von Xpeng sind Teil eines größeren Trends, den chinesische Automobilhersteller in Europa verfolgen. So haben Nissan und Chery vereinbart, ab 2024 gemeinsam im britischen Werk Sunderland Modelle für den lokalen Markt zu produzieren. BYD hingegen hat mit dem Bau seiner ersten europäischen Fabrik in Ungarn begonnen, kämpft dort jedoch mit Verzögerungen. Die Produktionsaufnahme, die ursprünglich für Ende 2025 geplant war, wird nun erst Ende 2026 erwartet, während die Pläne für ein weiteres Werk in der Türkei vorerst auf Eis gelegt wurden.
Die Frage, ob Magna Xpengs Produktionsbedarf auf Dauer allein decken kann, hängt von der Geschwindigkeit des Wachstums ab. Gu ließ offen, wann und wo eine Entscheidung über zusätzliche Produktionskapazitäten fallen könnte, betonte jedoch, dass man den Markt aktiv beobachte. „Wenn es zu teuer ist oder der Standort schlecht liegt, sortieren wir das sofort aus“, so Gu.






